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ITS LIBRARY

Vor euch seht ihr etwa 9.000 der insgesamt rund 15.000 Portfolios, die in den letzten 20 Jahren bei uns eingegangen sind.

Die übrigen 6.000 - darunter übergroße Formate und besonders empfindliche Projekte - werden in einem separaten Raum dieses Palazzos aufbewahrt.

Die LIBRARY ist für uns ein magischer Ort - ein Tempel des Designs, in dem Kreativität zelebriert wird und durch unendliche Ideen Form annimmt. Jedes Projekt wird sorgfältig in einer eigenen Hülle aufbewahrt, und ihr seid buchstäblich von ihnen umgeben. Falls ihr euch fragt, wie wir die Portfolios identifizieren: nun, ein Strichcode - den ihr nicht sehen könnt, da er nicht auf dem Rücken der Hülle angebracht ist - ermöglicht die Erfassung des Projekts in unserer Datenbank, die selbstverständlich auch die genaue Position des Portfolios enthält.

WAS IST EIN PORTFOLIO

Aber was ist ein Portfolio? Ein Portfolio ist sozusagen die Brücke zwischen der Idee des Künstlers und der Verwirklichung dieser Idee. Schaut euch die Vitrine in der Mitte an, dort findet ihr ein Video, das zeigt, wie sich ein Portfolio zusammensetzt. In der Regel entsteht ein Portfolio in fünf Schritten:

Die Idee: Am Anfang steht immer eine Idee, die der Künstler zum Ausdruck bringen möchte. Sie muß schriftlich festgehalten werden, um aus dem Kopf aufs Papier zu gelangen.

Die Recherche: In dieser Phase wird die Idee weiter ausgearbeitet und vertieft. Der Künstler sucht nach Bildern und visuellen Referenzen, die das Konzept veranschaulichen - alles, was von der ursprünglichen Idee inspiriert ist und dabei hilft, Farben, Techniken und Formen zu visualisieren.

Das Entwicklungstagebuch: Das gesammelte kreative Material wird strukturiert und so angeordnet, wie es am besten zur Idee passt. Fotos, Gedichte, Bücher und Bilder werden auf einem Moodboard zusammengestellt.

Die Skizzen: Nun beginnt der Designer, die einzelnen Elemente zu kombinieren. Die Ausgangsidee nimmt durch Zeichnungen - ob per Hand oder digital sowie durch andere Techniken wie Collagen oder Drapierung allmählich Form an.

All diese Phasen können sich überschneiden, miteinander verschmelzen und sich gegenseitig bereichern, denn bis zu diesem Punkt handelt es sich um einen kreativen Prozess ohne Einschränkungen oder Grenzen.

Zum Schluß geht es um die Materialien und die tatsächliche Umsetzung: Die letzte, physische Phase beginnt mit der Auswahl der Stoffe und Materialien. Der Designer erkennt nun, wie das fertige Objekt aussehen und wie es hergestellt werden wird. Sobald es vollendet und produziert ist, wird es oft in einem Fotoshooting inszeniert, das seine Besonderheiten ins Licht rückt und hervorhebt.

Wie ihr sehen könnt, ist ein Portfolio weit mehr als nur Papier und Stoff. Es erzählt eine Reise und ist ein Zeugnis für die Leidenschaft und die harte Arbeit, die notwendig sind, um neue Perspektiven der Schönheit freizusetzen. Einige dieser Kreativen haben dank dieser Projekte eine Karriere aufgebaut und ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Zu ihnen gehören Demna - Kreativdirektor von Gucci, Matthieu Blazy, - Kreativdirektor von Maison Chanel, Nicolas di Felice - Kreativdirektor von Maison Courrèges sowie Designer mit gleichnamigen Marken wie ChopovaLowena, Craig Green, Peter Pilotto und Richard Quinn.

Schaut euch um - ihr seid buchstäblich von Portfolios umgeben, und nicht nur auf den Regalen. Sie befinden sich in den Nischen, in den Vitrinen und in den multimedialen Inhalten der Library, die es euch ermöglichen, die Portfolios näher kennenzulernen und weiter zu vertiefen.

DAS DIGITALE BUCH

Gehen wir nun in die hintere rechte Ecke, in der ein außerordentliches digitales Buch auf euch wartet. Blättert es selbst durch und lasst euch verzaubern. Wir sind besonders stolz auf dieses Instrument, weil es das physische Vergnügen des Blätterns mit der Magie digitaler Inhalte vereint, die hier vor euch lebendig werden. Ihr könnt zwischen vier verschiedenen Portfolios wählen, von denen jedes digitalisiert, bearbeitet und in hochauflösender Animation dargestellt wurde.

Um von einem Projekt zum anderen zu wechseln, genügt es, den Umschlag des Buches zu schließen.

Das erste Projekt ist von Tomohiro Sato, einem der Finalisten des ITS Contest 2013. Es ist eine zutiefst persönliche und visionäre Reise, die uns auf einen surrealen Spielplatz führt, eine Hommage an Tomohiros Großvater, der nach einer langen und schweren Krankheit verstarb. Der Spielplatz symbolisiert Tomohiros Wunsch, für seinen Großvater im Jenseits einen Ort zu schaffen, an dem er endlich glücklich sein und seine Schmerzen vergessen kann.

Das zweite Portfolio, das ihr hier erkunden könnt, ist von Tom Van der Borght & Shalva Nikvashvili, einem Finalistenpaar des ITS Contest 2015. Auch dieses Projekt ist sehr persönlich. Es erzählt die Geschichte von zwei Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Sie sehnen sich nach einem gemeinsamen Leben und kämpfen darum, alles, was zwischen sie tritt und sie behindert, aus dem Weg zu räumen.

Das dritte Portfolio ist von Marius Janusauskas, Finalist des Jahres 2012. Es ist inspiriert von dem Märchen Dornröschen, von Horrorfilmen sowie von der Arbeit der Madame Grès und des Bildhauers Pablo Atchugarry. Daraus entsteht eine Kollektion, die auf dem Konzept der “Deferenz” basiert und die Geschichte seiner Muse erzählt - eine passive Frau, die sich nicht bewegt, eine “Untote”. Der Farbton ihrer Haut ist blass, ihr einziges Lebenszeichen ist das Blut, das durch die Nähte ihrer Kleidung fließt. Sie ist in der Zeit gefangen - einer Zeit, die vorne in Falten gelegt ist und hinten kalt, minimalistisch und klinisch erscheint.

Das vierte Portfolio stammt von Gabrielle Szwarcenberg, ausgewählt im Jahr 2025. Für sie ist Papier ein täglicher Begleiter: ein Medium für Prototypen von Ideen, Geheimnissen, Orientierung und Reflexion. Ihre Arbeiten greifen Kindheitserlebnisse als Übergangsrituale auf und feiern, wie Langeweile Kreativität entfacht. Inspiriert vom Beatnik der 1960er Jahre Harry Smith, der über 250 Papierflugzeuge sammelte, die heute Teil von Museumssammlungen sind, erweckt Szwarcenberg diese Artefakte wieder zum Leben, mithilfe der Coupé-Technik und indem sie Stoff wie Papier behandelt. Die Kleider werden so zu einer unbeabsichtigten Retrospektive der grafischen Anthropologie des 20. Jahrhunderts.

Wendet euch nun zur gegenüberliegenden Seite der Library: Das Video-Mapping, das ihr dort seht, führt euch in ein Portfolio. Ihr habt die Möglichkeit, in einige Projekte einzutauchen und deren Details zu vertiefen - begleitet von den Worten der Finalisten selbst sowie von Barbara Franchin, Präsidentin der Fondazione ITS und treibende Kraft hinter allem, was ihr hier seht, von der Gründung des ITS Contest im Jahr 2002 zur Eröffnung des Museums ITS Arcademy im Jahr 2023.

Am Ende jeder Geschichte werdet ihr sehen, wie sich das Portfolio schließt und auf magische Weise an seinen Platz im Regal zurückkehrt, während das nächste herauskommt und sich öffnet, um eine neue Geschichte zu erzählen. Ist das nicht faszinierend?

AUSGESTELLTE PORTFOLIOS

Before leaving the Library, let’s take a closer look at some of the portfolios on display, which are all from the ITS Contest designers who went on to collaborate with celebrities on the looks featured in the exhibition “Exposure - The Power of Being Seen, from Harry Styles to Lady Gaga” that begins around the corner.

Wir beginnen mit Maximilian Raynor. Mit dem Video-Mapping im Rücken befindet sich Raynors Portfolio genau vor euch in der Glasvitrine.

Maximilians Kollektion erschließt sich, wenn jeder Look wie ein Kostüm aus einem im Fegefeuer spielenden Protestfilm gelesen wird. Dort irrt eine Gruppe von Außenseitern in den nebligen Gärten und heruntergekommenen Fluren eines Herrenhauses umher und wartet auf den Eintritt in das patriarchalische Paradies, das ihnen verwehrt blieb. Gefertigt aus Restmaterialien und mit Zero-Waste-Schnitttechniken, kombiniert die Kollektion zerrissene Tweeds (inspiriert von einem Chanelkostüm, das während einer Protestaktion nach hinten gezogen wird), verzerrte Vichy-Karos und überdimensionierte Strickwaren. Auch der Klang spielt eine Rolle: die Betrachter:innen sind dazu aufgefordert, die Glocken des “Faustischen Kämmerers” und das Klirren der Schlüssel der “Machiavellistischen Magd” zu vernehmen und auf den weiten Saum des zerzausten Kleids des “Filmstars” zu achten.

Maximilian erlangt heute zunehmend Anerkennung für seine gleichnamige Marke. Seine Entwürfe erscheinen in Vogue, Dazed & Confused und Wonderland, und er hat mit unzähligen Celebrities zusammengearbeitet. In der Gallery sind auch Looks von Lady Gaga und Chappell Roan ausgestellt!

Let’s stay with the glass showcase. The other portfolio on display here is by iconic glovemaker Thomasine Barnekow, ITS Contest 2007 designer. After presenting a groundbreaking glove collection at ITS Contest that merged leather gloves with jewellery bangles via embossment, Thomasine went on to shape French luxury glove craftsmanship. Her home and atelier are now in Paris, from where she collaborates with maisons of the likes of Louis Vuitton and Schiaparelli, as well as with movie and theatre productions, and celebrities. The unique Schiaparelli black gloves with golden nails worn by Beyoncé during the Grammy’s - on display in the gallery - are among the countless creations that have established her as a designer.

Gegenüber dem Ausgang ist eine Nische dem Designer Daniel Bosco gewidmet, einem Finalisten des ITS Contest 2024.

Daniels Portfolio zeichnet sich durch einen filmischen und ironischen Ansatz auf Mode, Kunst und Storytelling aus.

Es befasst sich mit dem Konzept des persönlichen Wertes und des materiellen Besitzes mithilfe einer künstlerischen Performance voller autobiografischer Momente: eine Tante mit einer exzentrischen Perücke, Freunde, die mit unbequemen Absätzen kämpfen, und der unverkennbare Modeschmuck seiner Mutter. Boscos Projekt unterstreicht Alltägliches, indem er es durch Ironie in etwas Besonderes verwandelt.

Wir bewegen uns nun rechts von Daniel wieder in Richtung des Video-Mappings, gehen am Ausgang vorbei und blicken in die Nischen links: sie sind der ITS Contest 2014 Designerin Maiko Takeda gewidmet.

Als wir Maiko Anfang 2013 persönlich an ihrer Schule trafen, ein Jahr bevor sie für den ITS Contest ausgewählt wurde, konnten wir bereits die Anfänge der strukturellen Idee für die hier ausgestellten Stücke beobachten. Maiko hatte nach eigenen Worten Schwierigkeiten, den Effekt einer “schwebenden Wolke” zu erzeugen. Im folgenden Jahr gelang ihr dies mit einer bahnbrechenden Kopfbedeckungskollektion, die sowohl die Jury des ITS Contest als auch viele andere begeisterte, darunter die Künstlerin, Sängerin und Songwriterin Björk, die sich sofort in ihre Arbeit verliebte.

Maiko hat seitdem unzählige Stücke aus dieser Kollektion für Björks Biophilia World Tour umgesetzt, und für das wie aus einer anderen Welt stammende Outfit auf dem Cover ihres Albums Vulnicura, das ihr hier in der Ausstellung entdecken werdet.

Gehen wir nun weiter zur Gallery. Verlasst die Library und wendet euch nach rechts, dort findet ihr den nächsten QR-Code in der Nähe des Einführungsvideos zur Ausstellung.