EXPOSURE – DER TEUFEL STECKT IN DEN ACCESSOIRES
Willkommen im Bereich, der den Accessoires gewidmet ist.
Ein Kleid ohne Schmuck, ein Anzug ohne Schuhe oder ein Abendkleid ohne eine Unterarmtasche wirken oft unvollständig. Accessoires sind Narrative, drücken Stimmung, Persönlichkeit und Absicht aus. Sie verwandeln ein Outfit in ein Statement und Menschen in Charaktere.
Im Laufe der Modegeschichte haben Accessoires schlichte Looks veredelt und zu ikonischen Bildern erhoben. Die Entscheidung, ein Accessoire zu tragen oder bewusst darauf zu verzichten, ist selbst eine Aussage, wie Satzzeichen in der visuellen Sprache der Mode. Auf dem roten Teppich kann ein einzelnes Stück, wie Elizabeth Taylors legendäre Diamanten oder Rihannas papstinspirierte Mitra bei der Met Gala 2018, die Show stehlen und zu einer eigenständigen Ikone werden.
Für Designer:innen und Stylist:innen sind Accessoires essenziell. Kopfschmuck oder Armspangen können die Wirkung eines Looks grundlegend verändern - besonders in Editorials oder auf dem Laufsteg -, indem sie Themen hervorheben und den Blick gezielt lenken.
In diesem Bereich sind einige ikonische Accessoires ausgestellt, die euch vermutlich bereits aufgefallen sind. Zwei davon betrachten wir nun genauer.
BEYONCE – THOMASINE BARNEKOW
Könnt ihr die schwarzen Lederhandschuhe mit den goldenen Nägeln sehen?
Bei der Grammy-Verleihung 2021 erregte Beyoncé mit einem Überraschungsauftritt ganz in Schiaparelli-Couture gekleidet für großes Aufsehen. Ergänzt wurde der Look durch diese langen Lederhandschuhe mit goldenen Nägeln der Handschuhdesignerin Thomasine Barnekow, Finalistin des ITS Contest 2007. Die Handschuhe fügten sich nahtlos in das Couture-Ensemble ein, verbanden Performance, Haute Couture und Statement-Schmuck miteinander und rückten die Hand selbst als Bühne und Symbol in den Mittelpunkt.
Thomasine Barnekow ist bekannt für die Verbindung von Handschuhen und Schmuck. Ihre ITS-Contest-Kollektion, die bereits in der ITS Arcademy ausgestellt wurde, enthält beispielsweise ledergeprägte Armreifen, die direkt in die Handschuhe integriert waren. Beyoncés überraschender, mit diesem markanten Look kombinierter Auftritt sorgte für große mediale Aufmerksamkeit und machte ihn zu einem ikonischen Modemoment.
Die sogenannten “Nagelhandschuhe” waren zugleich eine Hommage an die Designerin Elsa Schiaparelli, die bereits 1936 ein Paar ikonischer schwarz-weißer Wildlederhandschuhe mit Nägeln aus Schlangenleder entworfen hatte.
Wenden wir uns nun einem kaum zu übersehenden Objekt zu: dem Muschel-Schirm rechts.
LADY GAGA – LUKE BROOKS
Wenden wir uns nun einem kaum zu übersehenden Objekt zu: dem Muschel-Schirm rechts.
Beim Verlassen eines Londoner Hotels im Jahr 2013 trug Lady Gaga einen skulpturalen, handgefertigten Schirm des experimentellen Designers Luke Brooks, der 2012 für den ITS Contest ausgewählt wurde. In jenem Jahr wurde Brooks der Preis für das kreativste Projekt von der legendären Performance-Künstlerin Marina Abramović verliehen, die Teil der Jury war.
Gefertigt aus geschichteten, irisierenden, muschelartigen Formen - von Brooks selbst passend “Shellbrella” genannt - verwandelt das Objekt einen funktionalen Alltagsgegenstand in tragbare Fantasie und greift die Faszination des Designers für organische Architektur und surreale, ozeanische Motive auf.
Der Schirm ergänzte ein geisha-inspiriertes Ensemble, das Gaga bei einem Shooting mit dem renommierten Künstler Robert Wilson für dessen ikonische Serie Video Portraits trug. Es war ein klares Beispiel für Gagas Verständnis von “Performance als Mode” - auf den Stufen eines Hoteleingangs wurde der “Shellbrella” sowohl zum Accessoire als auch zum Kunstobjekt.
Jetzt wenden wir uns dem nächsten Bereich zu, der sich der Kunst des Sculpting - der Formung des Körpers - widmet.